Fachkompetente Zusammenarbeit im Bereich der Beatmungsentwöhnung

Die Kooperation zwischen den Neurokliniken Waldeck und dem Klinikum Südstadt Rostock zum fachgerechten Betreiben einer Weaningstation ermöglicht die effektive Entwöhnung vom Beatmungsgerät parallel zur neurologischen Frührehabilitation der Phase B. Innerhalb eines Jahres ist dieser Bereich von vier auf 12 Betten gewachsen.
Oberärztin Dr. Andrea Grub (links) und Schwester Marion versorgen einen Patienten auf der Weaningstation in den Neurokliniken Waldeck.

Atmen ist ein lebensnotwendiger Reflex. Durch eine schwere Erkrankung, eine Operation oder einen Unfall kann die ausreichende Spontanatmung unmöglich werden. Eine künstliche Beatmung kann in solchen Fällen Leben retten, jedoch verliert dabei die Atemmuskulatur schnell an Kraft. Deshalb müssen Patient:innen anschließend schrittweise trainieren, wieder ohne die Unterstützung von Maschinen selbstständig zu atmen. Dieser Prozess wird in der Medizin Weaning genannt. Die Neurokliniken Waldeck in Schwaan betreiben eine eigene Station, die auf diese Entwöhnung von der künstlichen Beatmung und gleichzeitige Rehabilitation der anderen Folgen der auslösenden Erkrankung spezialisiert ist. Schwerstkranke Patient:innen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern werden auf dieser besonderen Station behandelt und therapiert. Möglich ist das dank der Kooperation zwischen den Neurokliniken Waldeck und der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Klinikums Südstadt Rostock, die nun seit einem Jahr besteht.

Innerhalb dieser Kooperation stellt das Klinikum Südstadt Rostock für die Weaningstation in Schwaan rund um die Uhr ein Team aus erfahrenen Intensivmediziner:innen zur Verfügung. Von Seiten der Neurokliniken Waldeck wird das multiprofessionelle, interdisziplinäre Team aus speziell geschulten Pflegekräften, Physiotherapeut:innen, Logopäd:innen und Psycholog:innen in die Waagschale gebracht. Außerdem übernimmt Waldecks Chefärztin Dr. Annemarie Werner die neurologische Behandlungsleitung.

„Auf diese Weise bieten wir unseren Patient:innen die Rund-um-die-Uhr-Betreuung, die es beim wirkungsvollen Weaning unbedingt braucht. Alle Fachdisziplinen arbeiten bei uns gemeinsam mit den Patient:innen darauf hin, möglichst schnell in ein Leben ohne Atemhilfe entlassen zu werden. Die Rückkehr zur Spontanatmung ist nach einer kurzen Narkose kaum ein Problem. Jedoch ist die Entwöhnung von Intensivpatient:innen je nach Länge der Beatmungsdauer ein schwieriger Prozess, der Tage oder Wochen in Anspruch nehmen kann“, sagt Dr. Annemarie Werner. Genau diese Zeit muss man sich nehmen beziehungsweise den Patient:innen geben, damit das Weaning mit dem für die Patient:innen bestem Ergebnis endet. Für die Fachärztin für Neurologie mit der Zusatzbezeichnung neurologische Intensivmedizin war das Bestehen dieser Kooperation sogar ein ausschlaggebender Grund, dass sie im Sommer 2022 als Chefärztin zu den Neurokliniken Waldeck gewechselt ist.

Am 1. Dezember 2021 ist die Weaningstation in Schwaan mit vier beatmungspflichtigen Patient:innen gestartet. Binnen drei Monaten ist sie auf 12 Betten vergrößert worden und seither maximal ausgelastet.

Für die Beteiligten bringt diese Partnerschaft nur Vorteile mit sich.

erklärt Yvonne Bartels, Geschäftsführerin der Neurokliniken Waldeck. Auf vielen Intensivstationen der Akutkrankenhäuser kann eine moderne Rehabilitationsstrategie mit der Entwöhnung von der Beatmung nicht gelingen, da es an den nötigen Spezialisten wie Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen, Psycholog:innen und Rehabilitationsmediziner:innen fehlt beziehungsweise diese nicht in ausreichender Zahl vorgehalten werden können. In den Neurokliniken Waldeck stehen genau diese notwendigen Fachkräfte zur Verfügung.

Dank der Kooperation sind die Neurokliniken Waldeck im nördlichen Mecklenburg-Vorpommern eine der wenigen Einrichtungen für die Neurologische Frührehabilitation Phase B, bei der zudem eine fachlich doppelte Behandlungsleitung von neurologischer und anästhesiologischer Seite geboten wird. Yvonne Bartels ist sich gleichwohl bewusst, dass es in Zeiten des Fachkräftemangels eine Herausforderung ist, einen solchen spezialisierten und gleichzeitig personalintensiven Bereich zu betreiben. Deshalb betont sie: „Für uns ist es besonders wichtig, die Qualifikation und die Motivation unserer Mitarbeitenden sicherzustellen und zusätzlich neue Mitarbeiter:innen von unserem Standort zu überzeugen, um die nötige Multiprofessionaliät auch zukünftig sicherstellen zu können.“

Für das Klinikum Südstadt Rostock gibt es mit der Kooperation ebenso klare Vorzüge, wie Prof. Dr. Jan Roesner, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Ärztlicher Direktor am Klinikum Südstadt Rostock, sagt:  „Durch den Einsatz von intensivmedizinisch-erfahrenen Ärzt:innen und versiertem Pflegepersonal können wir unsere Patient:innen schon viel früher in die Rehabilitationsklinik verlegen und somit die Reha beginnen lassen. Es bedeutet aber auch, dass wir am Klinikum Südstadt Rostock die Intensivbetten rascher wieder für schwerkranke Patient:innen zur Verfügung stellen können.“ Er zeigt sich mit der Kooperation zufrieden: „Das Team wächst und die Zahl der betreuten Patient:innen steigt. Mein persönlicher Wunsch ist noch ein Zuwachs an Pflegekräften, die dieses Konzept mittragen und -leben. Es ist heutzutage schwer, intensivmedizinisch-erfahrenes Personal zu finden, zu gewinnen und zu binden. Dafür bieten wir den Mitarbeitenden auf dieser Weaningstation ein gutes Team, kollegialen Umgang, Innovation bei unseren Behandlungskonzepten und dankbare Patienten.“

Kathleen Radunsky-Neumann

Kathleen Radunsky-Neumann

Pressekontakt

E-Mail

weitere Neuigkeiten

Aktuelles

2023
Neurokliniken Waldeck

Niemand ist zu jung für die Reha

20 Jahre jung und trotzdem ein Fall für die Reha in den Neurokliniken Waldeck? Ja, das ist möglich. Der beste Beweis dafür ist Jonas Micheel aus dem nördlichen Mecklenburg-Vorpommern. Mit seinen 20 Jahren hat der junge Mann einen schweren Motorradunfall überlebt. Eine siebenstündige Not-OP, bei der ihm unter anderem der linke obere Lungenflügel entfernt wurde, hat sein Leben gerettet. Es folgte mehr als eine Woche künstliches Koma mit künstlicher Beatmung.

Weiterlesen »